Reise-Buchtipp: Häfen – Eine literarische Kreuzfahrt

Von Florian Beckenhoff, Eichborn Verlag

„Mit Schriftstellern auf Landgang in den schönsten Häfen der Welt“ und damit die perfekte Urlaubslektüre während, vor oder nach einer Kreuzfahrt – ein Buch für alle, die gerne aufbrechen, reisen und ankommen.

Dreiundzwanzig Schauplätze erzählen vom Ankommen und Abschiednehmen, von Schiffsromantik und harter Arbeitswelt. Dreiundzwanzig Autoren erzählen von Schicksalen, Begegnungen und Entdeckungen.

Sofort fallen die wunderschönen historischen Abbildungen auf, die sich durch das Buch ziehen: ob Piräus, Triest oder Genua, Saigon, Bangkok oder Havanna (viele um 1900 herum) – dieses Buch ist nicht nur ein Lesevergnügen, sondern auch ein Augenschmaus.

Den Lieblingsplatz aufsuchen, ein Glas Wein und dieses Buch – egal wo man ist, man versinkt in die kurzweiligen, erfrischenden, spannenden oder überraschenden Geschichten: Die erste Begegnung mit Alexis Sorbas im Hafen von Piräus; Orhan Pamuk als kleiner Junge bei seiner Vision, Istanbul vor den russischen Kriegsschiffen zu retten, die nachts durch den Bosporus zogen; Italo Svevo auf Fisch(oder Liebes-)fang in Triest; Max Frisch verloren im Hafenviertel von Genua.

„Jede Stunde läuft ein Schiff ein. Jede zehnte Welle spült Fremde an Land wie Fische. (…) Jede Nacht ereignet sich ein Totschlag, ein Mord, ein Überfall, ein Familiendrama“ – Josepf Roth in Marseille. „In Algier sagt niemand ein Bad nehmen, sondern sich ein Bad leisten. Man badet im Hafen und man ruht sich aus auf Bojen“ – Albert Camus.

Tahar Ben Jelloun möchte im Hafen von Tanger „eine dieser Kisten sein (…), die in Europa in einem Warenhaus untergebracht wird, in Freiheit und Wohlstand (…), auf der stehen soll: „zerbrechlich, oben, unten“.

Sigfried Lenz schreibt über Hamburg, Joachim Ringelnatz über Kiel, Günter Grass über Danzig und Joseph Conrad über London.

„Für einen armen Schlucker ist es nie so leicht, irgendwo von Bord zu gehen, aber für einen Galeerensklaven ist es noch viel schlimmer, vor allem, weil die Amerikaner Galeerensklaven aus Europa absolut nicht mögen“ – Louis-Ferdinand Celine in New York, Ankunft in einer senkrechten Stadt als Flohzähler.

Ernest Hemingway in Havanna „nach der Abfahrt der Französinnen“ oder Gabriel Garzia Marquez in Cartagena „zwischen Postamt und Bordell“ – jeder Hafen erzählt seine eigene Geschichte „….als einem Ort, der nach einer Fahrt durch das tobende und gefährliche Meer Ankunft und Sicherheit verspricht und auch bietet. (…). Doch wehe, wenn man übersieht, dass ein Hafen eine direkte Fortsetzung des Meeres ist, weniger wankend vielleicht, aber nicht weniger gefährlich und erregend…“ (Winfried Stanzik).

Wer nach der Lektüre dieses Buches „urlaubsreif“ ist und sich danach seht, diese Schauplätze persönlich kennen zu lernen, findet viele tolle Angebote im Internet. Egal ob bei einer Kreuzfahrt, einer Städtereise oder auf der Durchfahrt: aufbrechen, reisen, ankommen

Reise Buchtipp: Schläft das Personal auch an Bord?

Autor: Andreas Lukoschik Verlag: Kiepenheuer &Witsch

In diesem Kreuzfahrt ABC findet man von A wie Achterdeck bis Z wie Zodiak alle Infos, die man für eine Kreuzfahrt benötigt … oder auch nicht.

Aber nicht nur das: Herrlich amüsant und Lachanfälle garantiert – egal ob nun Kreuzfahrtneuling oder schon alter Hase, man erkennt sich und andere wieder oder aber man entdeckt die kleinen, aber feinen Besonderheiten auf See und damit den Grund, warum man unbedingt eine Kreuzfahrt unternehmen sollte.

Zum Beispiel bei E wie Esssen – hier findet man fünf wichtige Punkte, wie man garantiert „am Ende der Reise orange angestrichen und als Tenderboot eingesetzt wird“. Oder F wie Fitness: Fitness an Bord steht „für den Versuch, die Balance zu halten zwischen Nährstoff-Im- und Export“.

Man erfährt viel über die Vorzüge bestimmter Häfen, die verschienenen Destinationen, Balkon- oder Innenkabinen, über Spiele an Bord wie z.B. „Gerüchte kochen“, das „andere Schiff “ (das immer besser und größer ist und das auch viel mit dem Buchstaben J wie „Jammern“ zu tun hat), das altbekannte Problem der „Liegestühle“, über Schiffskoller, Seekrankheit, Tagesprogramm und unter dem Buchstaben K die Kaltabreise (warum jedes Schiff einen Kühlraum für tragische Fälle haben muss) erstaunliches aber logisches.

Ein must have für alle, die sich für eine Seereise interessieren oder schon viele unternommen haben: Zum Vor(her)lesen, zum Lesen an Bord, als perfektes Geschenk!

Reise Buchtipp: Eine Frau erlebt die Polarnacht

Autor: Christina Ritter

Ulstein Verlag

Nachdem ihr Mann nach einer Expedition auf Spitzbergen hängen geblieben war, im Sommer auf einem Fischkutter auf Eismeerfang ging und im Winter auf Pelztierjagd, entschied sich Christiane Ritter nach langem Zögern, ihrem Mann für einen Winter zu folgen.

Und das ganze nicht etwa in der heutigen Zeit, sondern 1934 – und damit beginnt die Beschreibung einer Überwinterung in einer primitiven Hütte, die sehr viel von der Faszination der Arktis rüberbringt, aber sehr deutlich das einfache und oft sehr schwierige Leben deutlich macht.

„Außer Deinen Skistiefeln brauchst Du nichts heraufzubringen…Proviant und alles, was man zum Überwintern braucht, besorge ich. Bringe ja nicht mehr, als Du bequem tragen kannst.“ Auch die Überfahrt nach Spitzbergen gestaltet sich nicht unbedingt angenehm. „Da frieren Sie sich ja tot auf der Insel. Da passen Sie nich hin, Sie kleene Puppe“ ermuntert sicher nicht gerade.

Und so beginnt ein Abenteuer, das einem von der ersten Seite an fesselt, das aber auch ganz pragmatisch den täglichen Kampf mit der Kälte, der Dunkelheit und der Einsamkeit erzählt. „Nicht jeder erträgt das große Licht, nicht jeder die Finsternis, nicht jeder die große Einsamkeit“. Aber im Laufe des Buches beginnt man zu verstehen, was die Faszination der Arktis ausmacht.

Reise Buch Tipp: Suche – und ganz nebenbei Spitzbergen entdecken

Suche

Autor Minka Kristensen btb-Verlag € 9,90

Ein Krimi um die Suche nach einem verschwundenen Kind – klingt nach einem x-beliebigen spannenden Buch für alle, die Krimis mögen.

Was mich jedoch fasziniert hat, waren die vielen Infos über das Leben auf Spitzbergen, das man so ganz nebenbei kennenlernt. Die Geschichte des Bergbaus ebenso wie die Gründe, die Menschen nach Spitzbergen treibt und die Umstände, die das Leben dort nicht einfach machen.

Es gibt sicher andere Bücher, die genausoviel über Spitzbergen erzählen – aber in einen Krimi verpackt erscheint es die optimale Reiseliteratur für eine Kreuzfahrt in den Norden zu sein: spannend und zugleich informativ.

Die Autorin ist eine bekante Polarforscherin mit Einsätzen in der Arktis, Antarktis und auf Spitzbergen – vielleicht rührt daher die Liebe zum Detail über die Geschichte der Insel und über die Problematik eines Lebens in Kälte und teilweise Dunkelheit, die wir uns hier so gar nicht vorstellen können.

Reise Buchtipp: Landgang – Kreuzfahrthäfen an der Ostsee

Erschienen im Reise Know-How Verlag, € 12,50

Von Michael Dojel

Eine gute Vorbereitung auf den nächsten Urlaub mit einem Kreuzfahrtschiff bietet dieser Reiseführer mit der Beschreibung von 38 Kreuzfahrthäfen an der Ostsee.

Das Buch bietet Infos zu jedem Hafen mit

  • detaillierten Karten der Städte (und teilweise auch Häfen)
  • einer kurzen Beschreibung der Stadt
  • der besten Verbindung vom Hafen in die Stadt
  • einer Aufstellung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Rundgang) in der Stadt und der näheren Umgebung (Landpartie)
  • Besonderheiten wie z.B. das Schifffahrtsmuseum in Rauma (Finnland) oder das Tycho-Brahe-Planetarium in Kopenhagen
  • Adressen der Touristik-Infos und der Autovermietungen
  • Einkaufstipps und Veranstaltungen

Vorgestellt werden die folgenden Städte in

  • Deutschland: Flensburg, Heiligendamm, Kiel, Neustadt in Holstein, Binz, Sassnitz, Travemünde, Ahlbeck, Heringsdorf
  • Dänemark: Äro, Äroskobing, Bornholm, Christiansö, Kopenhagen, Läsö
  • Estland: Saaremaa(Össel), Tallinn
  • Finnland: Äland-Inseln, Helsinki, Kemi, Rauma, Turku, Vaasa
  • Lettland: Libau, Riga
  • Litauen: Klaipeda
  • Polen: Gdansk (Danzig), Gdynia (Gdingen)
  • Russland: Baltijsk (Pillau), Kalingrad (Königsberg), St.Petersburg
  • Schweden: Göteborg, Gotland/Visby, Karlskrona, Lulea, Malmö, Stockholm, Sundsvall, Ystad

Alle Häfen sind auf der großen Übersichtskarte auf der Umschlaginnenseite mit Seitenangaben schnell zu finden und somit bist der Reiseführer auch für unterwegs informativ und übersichtlich gestaltet.

Reise Buchtipp: Wo Elfen noch helfen

Wo Elfen noch helfen – Warum man Island einfach lieben muss

Autor: Andrea Walter, Verlag Diederichs

Bei diesem Buch handelt es sich nicht um einen Reiseführer. Aber wenn man es zu Ende gelesen hat, will man nichts mehr, als sofort los zu fliegen, um dieses fantastische Land mit diesen einzigartigen, wohl sehr speziellen, aber unglaublich sympathischen Menschen zu treffen, die man nach der Lektüre des Buches schon persönlich zu kennen glaubt.

Ich gebe zu, mich zieht es eher in den Norden als in den Süden. Wohl darum hat mich der Titel des Buches magisch angezogen.

Und einmal angefangen, ist man (ein)gefangen und kann nicht mehr aufhören:

Andrea Walter bekommt ein Stipendium bei einer isländischen Zeitung und beginnt das Land, seine Menschen und das isländische Leben während ihrer Arbeit zu entdecken. Recherche sagt sie, war noch nie so einfach wie hier in Island. Jeder kennt jeden, ist mit ihm/ihr verwandt oder zur Schule gegangen.

Hier werden die Bürgersteige im Winter beheizt, man triffst sich fast täglich im heitur pottur (heißer Pott) zum Schwimmen und tauscht Informationen und Anekdoten aus, hier macht man Runtur (das Rundendrehen mit dem Auto über die Haupteinkaufsstraße – ein abendliches Ritual), hier geht man Schafkopf essen (der erste Schnitt, wenn man ihn vor sich liegen hat, sei wohl der schlimmste), hier befindet sich das wohl einzige Vulkankino auf der Welt, das ausschließlich Vulkanfilme zeigt, hier findet man das einzige Museum, das Phallen aller Säugetiere des Landes (seit kurzem auch den Penis eines Homo Sapiens) ausstellt.

Und ganz nebenbei erfährt man unglaublich viel über die Geschichte der Insel, ohne dass es jemals langweilig wird.

Nach dem Motto: „Du folgst dem guten Wetter. Und wenn eine Straße gesperrt ist, fährst du einfach einen Umweg und das Leben ist gut.“ haben die Isländer wohl im Lauf der Jahre gelernt mit Veränderungen, die sie tagtäglich in der Natur und in der Gesellschaft um sich haben, zu leben.

Und das bekommt Andrea Walter überall zu spüren – auf eine angenehme Art und Weise scheint das Leben in Island leichter, lebendiger und lebensbejahender zu sein als anderswo auf der Welt. Die Isländer scheinen selbstbewusst, kreativ, immer das Positive sehend und auch herausstellend, durchs Leben zu gehen. Wo sonst lesen Schauspieler den 2000 Seiten langen Bericht einer Prüfungskommission über die Hintergründe der Finanzkrise 2008 in einer Dauerlesung im Stadttheater vor.

Mit dem Buch lernt man „die naturverbundenen Individualisten mit einem liebenswerten Knall und dem Willen, niemals aufzugeben“ und ihr Land kennen und das liest sich spannender als ein Reiseführer und ist genauso informativ.

Reise Buchtipps für Kurzentschlossene

Aufgeklärt in den Urlaub – „Das kleine Lexikon der Reiseirrtümer“ von Nele-Maerie Brüdgam

Die Reisejournalistin klärt in ihrem Buch landläufige Irrtümer wie: Im Flugzeug sind die sichersten Plätze hinten oder: Pauschalreisen buchen nur Anfänger, Spießer und Vollidioten oder: Der Jakobsweg ist überbevölkert (und Hape Kerkeling ist schuld) auf. Sie erzählt in vielen Anekdoten und Geschichten Wissenswertes und Nützliches rund um die wichtigsten Reiseirrtümer. (Preis: € 14,95)

Atlas der fiktiven Orte – Werner Nell und Stefen Hendel

„Die Vorstellung vom Schlaraffenland besteht aus einem anatomischen Atlas mit Magen und Darm als Fluss.“

30 imagionäre Orte wie Atlantis oder Xanadu, Zauberberg, Avalon, Mittelerde oder Nimmerland – der Autor hat sich auf akribische Spurensuche begeben, um mit dem Ilustrator die Karten detailgetreu wiederzugeben. Und zu jedem dieser Sehnsuchtsorte liefert Werner Nell spannende Texte, so dass man eintaucht in eine Welt von Fantasie und Fiktion.

Also warum nicht einmal von den realen zu den fiktiven Reisezielen wechseln – eine alternative Reise für alle fantasievollen Menschen, die die Weihnachtszeit zu Hause und nicht in der Karibik verbringen! (€ 29.95)